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Kritiken

Wegen des großen Erfolges -
Wiederaufnahme 17.09. - 10.10.2010

Oper von Gaetano Donizetti
Der Liebestrank in deutscher Sprache

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Hamburger Abendblatt
30. Oktober 2009, 06:00 Uhr

Wo es den "Liebestrank" an der Bar gibt

"Der Liebestrank" von Gaetano Donizetti ist eine Belcanto-Oper. Aber sie hat eine Handlung, die diese Bezeichnung verdient - das ist beim Belcanto nicht selbstverständlich.


Hamburg. Das Allee-Theater hat das Stück jetzt auf seine winzige Bühne gebracht: temporeich, spritzig und ohne der Geschichte etwas aufzustülpen.
Dabei genehmigte sich die Inszenierung durchaus Freiheiten. Es fing damit an, dass der windige Dulcamara, dem sich die ganze Verwirrung um den vermeintlich Liebe stiftenden Trank verdankt, doppelt vorkam und sich zur allgemeinen Erheiterung das Stück über mit sich selbst um die Hoheit über die Figur kabbelte: singend als Bühnenarbeiter (stimmlich beweglich und klangschön: Marius Adam) und zudem als Barkeeper in Gestalt des genüsslich aufspielenden Schauspielers und Pantomimen Ralf Hutter.


Regisseur Ferdinando Chefalo hat die Handlung von einem Dorf des frühen 19. Jahrhunderts in eine ferrarirote italienische Bar verlegt und das Personal zu einer rechten Jeunesse dorée umgebürstet, mit Paillettenkleidchen und viel Bein.
Dem Tenor Rodrigo Porras Garulo als unglücklich liebendem Nemorino nahm man denn auch angesichts seines eleganten Abendanzugs den armen Schlucker nicht so recht ab. Zudem brachen ihm die Piani weg, für größere Bögen reichte seine Kraft nicht. Miriam Sharoni hatte Mühe mit den Koloraturen, sang die kapriziöse Adina aber mit viel Charme. Michael Müller-Deeken gab einen sonoren Aufschneider Belcore, Esther Puzak als Giannetta schmetterte ihre Koloraturen.


Blitzsauber gelangen die Ensembles. Fabian Dobler hielt Bühne und Graben bis auf wenige Wackler gut zusammen und schlug rasante Tempi an, das Instrumentalensemble spielte fabelhaft virtuos und farbig.
Auf Zwischentöne wartete man vergeblich. Das kann man eindimensional finden. Oder sich einfach freuen, dass dies kleine Haus immer wieder mit so originellen und handwerklich beeindruckenden Produktionen aufwartet.
Allee-Theater, Karten: T. 38 29 59 (vfz)

Die Welt
30. Oktober 2009, 04:00 Uhr

Liebestrank von Donizetti als Cocktail aus Altona

Von Monika Nellissen
Heiserkeit bei einem Sänger bedeutet für eine Opernvorstellung selten Gutes. Entweder wird für Ersatz gesorgt, oder ein Cover singt und der Protagonist spielt. Was als Notlösung im Opernalltag dient, wird in der Kammeroper Allee Theater in Gaetano Donizettis Oper "Der Liebestrank" zum Regie-Gag: Dulcamara (Ralf Hutter), Barbesitzer und Liebestrankverkäufer ohne Moral, hat keine Stimme, also springt Olli Schmidt, Faktotum des Allee Theaters, in Gestalt des Sängers Marius Adam ein und macht seine Sache prächtig. Wie bitte? In diesem "Liebestrank", den Ferdinando Chefalo mit Drive und Witz inszenierte, ist so ziemlich alles anders, als es das Libretto vorsieht.

Doch keine Bange: Der schüchterne Nemorino (Rodrigo Porras Garulo) ist immer noch in die launische Adina (Miriam Sharoni) verliebt, die kurzzeitig auf den reichen Großkotz Belcore ( Michael Müller-Deeken) hereinfällt und schließlich Nemorino erhört, während Belcore sich mit der kecken Gianetta (Esther Puzak) tröstet. So bleibt es, selbst wenn der Regisseur und Barbara Hass, die die deutsche Textfassung besorgte und auch die rasanten Designerklamotten entwarf, das Geschehen in eine Bar irgendwo in Italien verlegen.


Die Bar, atmosphärisch hinreißend von Bühnenbildnerin Kathrin Kegler erfunden, ist Dreh- und Angelpunkt für das Theater auf dem Theater, das in ausgewogenem Auf und Ab der Gefühle und durch verblüffende Wendungen unterhaltsam fesselt. Das gelingt nicht zuletzt dank des neuen musikalischen Leiters Fabian Dobler, der mit sechs Musikern einen erstaunlich fülligen Klang zaubert. Der junge Kammeroper-Debütant Porras Garulo sei aus dem singfreudigen Ensemble hervorgehoben: Mit klarem, ehrlich geführtem Tenor weiß er besonders zu überzeugen. MN

Die MOPO

KURZ & KRITISCH

"Liebestrank", Kammeroper


VON CHRISTOPH FORSTHOFF
Statt aufs Land geht's in die schummrige Bar, der Sergeant wird zum Börsenspekulanten, der Bauerntölpel zum armen Schlucker: Am Allee-Theater hat Regisseur Ferdinando Chefalo Donizettis komische Oper "Der Liebestrank" in unsere Zeit verlegt. Nemorino (blass: Rodrigo Porras Garulo) verkauft Dulcamara (pfiffig: Marius Adam) Bordeauxwein als Liebestrank, um trotz der Konkurrenz von Belcore (Michael Müller-Deeken) die Angebetete Adina (anmutig: Miriam Sharoni) zu erobern. Was nach einigen Irrungen und hübsch klamottigen Gags des Barkeepers Ralf Hutter natürlich klappt - trotz mancher Holprigkeiten im Mini-Orchestergraben.

Fazit: Ein Liebestrank, der weder berauscht noch einen Kater hinterlässt.
Info:
MOPO-Wertung ***

Kammeroper Mi-Sa (20 Uhr), So 19 Uhr, 20-32 Euro, Tel. 38 29 59

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Der Freischütz
Allee Theater Kammeroper Hamburg GmbH & Co. KG - Max-Brauer-Allee 76 I 22765 Hamburg I Tel.: 040 382959 I Fax 040 3892921
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